Die T-Welle übersieht man leicht. Sie ist niedriger und breiter als die QRS-Zacke und kehrt langsam zur Nulllinie zurück. Ihre Richtung zählt trotzdem. Eine T-Welle, die in Ableitung I nach unten statt nach oben zeigt, gehört zu den Zeichen, die sich Ärztinnen und Ärzte genau ansehen. So sieht das in einer echten Einkanal-Aufzeichnung aus.
Was die T-Welle zeigt
Wenn die Kammern erregt werden, entsteht die QRS-Zacke. Danach erholen sie sich und stellen sich auf den nächsten Schlag ein. Diese Erholung zeichnet die T-Welle.1 Bei Erwachsenen zeigt die T-Welle normalerweise in allen Ableitungen außer aVR und V1 nach oben, also auch in Ableitung I.2
Ein echtes Beispiel

Das ist eine echte Aufzeichnung in Ableitung I, der Ableitung, die einer Aufzeichnung der Apple Watch am nächsten kommt. ECG Tracker+ hat sie mit derselben Analyse ausgewertet, die die App auch für deine Aufzeichnungen verwendet.
Jede QRS-Zacke zeigt nach oben, wie es in Ableitung I üblich ist. Nach jeder davon taucht die T-Welle unter die Nulllinie ab, statt sich darüber zu erheben. Die App hat bei allen acht Schlägen der Aufzeichnung eine invertierte T-Welle gefunden, eine mögliche T-Wellen-Inversion markiert und einen Schlag als Beispiel hervorgehoben.
Die Kardiologinnen und Kardiologen, die das vollständige 12-Kanal-EKG dieser Person ausgewertet haben, beschrieben zusätzlich mehrere andere Befunde. Ärztinnen und Ärzte beurteilen die T-Welle immer zusammen mit dem übrigen EKG und der Vorgeschichte der Person, nie für sich allein.
Was eine T-Wellen-Inversion verursachen kann
Eine T-Wellen-Inversion ist ein Zeichen, keine Diagnose. Mögliche Ursachen sind unter anderem:2
- eine verminderte Durchblutung des Herzmuskels (Ischämie) oder ein früherer Herzinfarkt
- eine verdickte Herzwand, etwa bei einer Kammerhypertrophie
- ein Schenkelblock, der sowohl den QRS als auch die T-Welle verändert
- eine hypertrophe Kardiomyopathie, eine Erkrankung, bei der sich der Herzmuskel verdickt
- ein Blutgerinnsel in der Lunge (Lungenembolie)
- ein erhöhter Druck im Schädel, zum Beispiel nach einer Hirnverletzung
- ein bei Kindern normales Muster, das bei manchen Menschen bis ins Erwachsenenalter bestehen bleibt
Welche davon zutrifft, kann nur eine Ärztin oder ein Arzt klären, meist mit einem 12-Kanal-EKG und manchmal mit weiteren Untersuchungen.
Invertierte T-Welle oder umgedrehte Aufzeichnung?
Trägst du die Apple Watch an einem anderen Handgelenk als dem, das in den Einstellungen ausgewählt ist, ist die ganze Aufzeichnung umgedreht. Dann zeigen auch die QRS-Zacken nach unten, nicht nur die T-Wellen. Der Ratgeber zum umgedrehten EKG erklärt, wie du die Einstellung korrigierst.
Bei einer echten T-Wellen-Inversion zeigt der QRS weiterhin nach oben und nur die T-Welle nach unten, wie im Beispiel. Zeigt der QRS einer Aufzeichnung nach unten, ist ECG Tracker+ deutlich vorsichtiger, weil sich die Richtung der T-Welle dann schwerer beurteilen lässt. Die App markiert eine mögliche T-Wellen-Inversion dann nur, wenn fast jeder Schlag einer klaren Aufzeichnung sie zeigt.
Wie ECG Tracker+ entscheidet
ECG Tracker+ prüft die Richtung der T-Welle bei jedem Schlag, den die App klar erkennen kann. Eine mögliche T-Wellen-Inversion markiert sie nur, wenn ein großer Teil dieser Schläge invertiert ist. Ein einzelner verrauschter Schlag löst also keinen Marker aus. Bei kleinen, flachen T-Wellen und in verrauschten Aufzeichnungen lässt sich die Richtung manchmal gar nicht beurteilen, und dann wird kein Befund angezeigt.
Was eine einzelne Ableitung nicht verrät
Ein 12-Kanal-EKG zeigt die T-Welle aus zwölf Blickwinkeln. Ärztinnen und Ärzte achten darauf, welche Ableitungen betroffen sind, und beurteilen die T-Welle zusammen mit dem übrigen EKG.2 Veränderungen der T-Welle in den lateralen Ableitungen, zu denen Ableitung I gehört, sind häufig, aber unspezifisch.3 Eine einzelne Ableitung zeigt nur einen dieser Blickwinkel. Deshalb spricht ECG Tracker+ von einer möglichen T-Wellen-Inversion. Sie ist ein Grund, deine Aufzeichnungen einer Ärztin oder einem Arzt zu zeigen, aber für sich genommen kein Befund.
Wähl bei Brustschmerzen, Druck oder Engegefühl in der Brust, Ohnmacht oder starker Atemnot den Notruf, ganz gleich, was eine Aufzeichnung zeigt. Wenn in deinen Aufzeichnungen eine mögliche T-Wellen-Inversion auftaucht und du das noch nicht besprochen hast, nimm sie zu einer Ärztin oder einem Arzt mit.
Häufige Fragen
Ist eine invertierte T-Welle gefährlich?
Sie kann harmlos sein oder auf etwas Wichtiges hindeuten, je nach Ursache. Beurteilen muss sie eine Ärztin oder ein Arzt, meist mit einem 12-Kanal-EKG. Wenn du Brustschmerzen oder andere Beschwerden hast, hol dir sofort Hilfe.
Kann eine Apple Watch eine T-Wellen-Inversion erkennen?
Die EKG-App von Apple gibt die Richtung der T-Welle nicht an. In einer klaren Aufzeichnung ist die T-Welle oft zu sehen, und ECG Tracker+ markiert eine mögliche T-Wellen-Inversion zur Durchsicht.
Warum sieht mein ganzes Apple Watch EKG aus, als stünde es auf dem Kopf?
Der häufigste Grund ist eine Handgelenk-Einstellung, die nicht zu dem Handgelenk passt, an dem du die Watch trägst. Dann ist jede Welle umgedreht, nicht nur die T-Welle.
Schließt eine normale T-Welle auf meiner Watch ein Herzproblem aus?
Nein. Eine einzelne Ableitung kann nicht jeden Teil des Herzens zeigen, und Apple stellt klar, dass die EKG-App keinen Herzinfarkt erkennen kann.4

