Um die Grundlagen deines eigenen EKGs zu verstehen, brauchst du keine medizinische Ausbildung. Ärztinnen und Ärzte lernen das EKG-Lesen mit einer einfachen Routine, die bei jedem Streifen funktioniert, auch bei einer 30-sekündigen Aufzeichnung vom Handgelenk. Dieser Ratgeber geht diese Routine mit echten Ansichten aus ECG Tracker+ und Demodaten durch.
Die Teile eines Herzschlags
Jeder Herzschlag ist eine elektrische Welle, die in fester Reihenfolge durch das Herz läuft. Im EKG zeichnet sie immer wieder dieselbe Form.1
| Teil | Was im Herzen passiert | Wie es aussieht |
|---|---|---|
| P-Welle | Die Vorhöfe im oberen Teil des Herzens werden erregt | Ein kleiner, abgerundeter Buckel |
| PR-Intervall | Das Signal läuft von den Vorhöfen zu den Kammern | Der Abstand vom Beginn von P bis zum Beginn des QRS |
| QRS-Komplex | Die Kammern im unteren Teil des Herzens werden erregt | Eine hohe, schmale Zacke |
| T-Welle | Die Kammern erholen sich für den nächsten Schlag | Ein breiterer, abgerundeter Buckel |
| QT-Intervall | Erregung und Erholung der Kammern | Vom Beginn des QRS bis zum Ende von T |
Ein Apple Watch EKG ähnelt Ableitung I.2 In einer typischen Aufzeichnung der Ableitung I zeigt der QRS nach oben, und P- und T-Welle sind kleiner.

Schritt 1: Die Herzfrequenz prüfen
Die Herzfrequenz ist die Zahl der Schläge pro Minute. Apple zeigt den Durchschnitt der Aufzeichnung, und ECG Tracker+ ergänzt die Spanne der Frequenzen während der 30 Sekunden. Für Erwachsene in Ruhe gelten 60 bis 100 bpm als üblicher Bereich, bei Sportlerinnen und Sportlern liegt der Wert oft darunter.3
Um die Herzfrequenz am Raster zu schätzen, zählst du die großen Kästchen zwischen zwei QRS-Zacken und teilst 300 durch diese Zahl. Der Ratgeber zum Raster zeigt, wie das geht.
Schritt 2: Die Abstände zwischen den Schlägen ansehen
Die Zeit zwischen zwei QRS-Zacken ist das R-R-Intervall. Bei einem regelmäßigen Rhythmus sind die Abstände nahezu gleich, mit kleinen Schwankungen im Takt der Atmung. Ein früher Schlag, auf den eine längere Pause folgt, fällt als Unterbrechung im Muster auf. Völlig unregelmäßige Abstände ohne jedes Muster sind das, wonach die EKG-App von Apple bei der Prüfung auf Vorhofflimmern sucht.4
ECG Tracker+ zeigt über der Kurve das R-R-Intervall zwischen je zwei Schlägen. So siehst du die Abstände in Millisekunden, statt sie nach Augenmaß zu schätzen.
Schritt 3: Prüfen, ob jeder Schlag alle Teile hat
Bei einem typischen Rhythmus steht vor jedem QRS eine P-Welle und nach ihm eine T-Welle. Achte entlang des Streifens auf Folgendes:
- Eine fehlende P-Welle. Fehlen geordnete P-Wellen ganz, ist das typisch für Vorhofflimmern. Kleine P-Wellen können sich aber auch im Rauschen verstecken.
- Ein früher Schlag. Ein Schlag, der zu früh kommt, manchmal mit anderer Form, kann ein vorzeitiger Schlag sein. ECG Tracker+ markiert solche Schläge als „Möglicher PAC“ oder „Möglicher PVC“. Der Ratgeber zu Vorhof- und Kammerextrasystolen erklärt den Unterschied.
- Ein breiter oder ungewöhnlicher QRS. Ein QRS, der deutlich breiter aussieht als üblich, verdient einen genaueren Blick. Der Ratgeber zum breiten QRS zeigt ein Beispiel.
- Eine T-Welle, die nach unten zeigt. In Ableitung I zeigt die T-Welle normalerweise nach oben. Was es bedeuten kann, wenn sie das nicht tut, erklärt der Ratgeber zur T-Wellen-Inversion.
Schritt 4: Die Intervalle lesen
Die Intervalle zeigen, wie lange jeder Abschnitt des elektrischen Zyklus dauert. Angegeben werden sie in Millisekunden.
- PR-Intervall. Bei Erwachsenen typischerweise etwa 120 bis 200 ms. Manche Quellen setzen die Untergrenze bei 100 ms an.1
- QRS-Dauer. Typischerweise 70 bis 100 ms. Ein QRS von 120 ms oder mehr gilt als breit.1
- QT und QTc. QT hängt von der Herzfrequenz ab und wird deshalb frequenzkorrigiert als QTc angegeben. Der Ratgeber zu QTc erklärt die Formeln und Bereiche.

Diese Bereiche sind allgemeine Referenzwerte für Erwachsene. Individuelle Werte schwanken, und ein Wert außerhalb eines Bereichs ist keine Diagnose. Der Ratgeber zu den Intervallen geht auf jedes einzelne ein.
Schritt 5: Die Qualität der Aufzeichnung berücksichtigen
Bevor du einem Detail traust, prüf, wie sauber die Aufzeichnung ist. Eine flache Nulllinie und klare Wellen machen Messwerte verlässlicher. Zittern, eine wandernde Linie oder sehr kleine Wellen machen sie unsicherer. ECG Tracker+ zeigt für jede Aufzeichnung eine Stufe für die Signalqualität an.
Was du aus deinem EKG ablesen kannst und was nicht
Wenn du dein EKG selbst liest, verstehst du deine Aufzeichnungen besser und kannst gezieltere Fragen stellen. Die Einschätzung durch eine Ärztin oder einen Arzt ersetzt das nicht, und ein 30-sekündiger Einkanal-Streifen kann nicht alles zeigen. Apple stellt klar, dass die EKG-App weder Herzinfarkte noch Blutgerinnsel, Schlaganfälle oder viele andere Erkrankungen erkennen kann.4 Der Vergleich mit einem 12-Kanal-EKG erklärt, warum.
Brustschmerzen, Ohnmacht oder starke Atemnot brauchen notfallmedizinische Hilfe, ganz gleich, wie der Streifen aussieht.
Häufige Fragen
Kann ich mein Apple Watch EKG selbst lesen?
Die Grundlagen kannst du lernen, also die Herzfrequenz, die Abstände zwischen den Schlägen, ob jeder Schlag eine P-Welle, einen QRS und eine T-Welle hat, und die Intervalle dazwischen. Was die Aufzeichnung für deine Gesundheit bedeutet, sollte eine Ärztin oder ein Arzt beurteilen.
Wie sieht ein normales Apple Watch EKG aus?
Eine typische Aufzeichnung im Sinusrhythmus zeigt gleichmäßig verteilte Schläge, jeder mit einer kleinen P-Welle, einem schmalen, nach oben zeigenden QRS und einer T-Welle, bei 60 bis 100 bpm in Ruhe. Die Formen im Einzelnen sind von Mensch zu Mensch verschieden.
Warum sieht mein Apple Watch EKG anders aus als ein EKG im Krankenhaus?
Die Watch zeichnet eine einzelne Ableitung auf, ähnlich wie Ableitung I, während ein EKG im Krankenhaus zwölf Ableitungen aus verschiedenen Winkeln zeigt. Manche Wellen sehen in Ableitung I kleiner oder anders aus.